Im Monat Dezember lag zeitweise ein Hoch - öfter angefüllt mit milder Luft - über Mitteleuropa und dieses Hoch war und ist der entscheidende Teamplayer. Da sich auf Grund der Erddrehung auf der Nordhalbkugel der Wind um ein Hoch im Uhrzeigersinn dreht, führte das unter anderem zu Kaltluftvorstößen in Richtung Balkanhalbinsel. Zunächst lag der Schwerpunkt des Hochs über Westeuropa und dem angrenzenden Atlantik, genauso wie jetzt Mitte Januar. Nur damals war das Temperaturniveau noch deutlich höher, was an der Jahreszeit lag.

Vorübergehend zog das Hoch im Dezember nach Skandinavien, eine nachhaltige Einwinterung (Ostwind!) blieb aber aus, da auch Osteuropa noch nicht entscheidend genug kalt war. Es führte u.a. auf der Iberischen Halbinsel für erste Kaltluftvorstöße. In der letzten Dezemberdekade lag das Hoch dann wieder über Mitteleuropa.

Der Dezember ist vorbei, das Hoch gibt es aber immer noch. Es ist nur seit Ende Dezember Schritt für Schritt in Richtung Westeuropa zurückgewichen und liegt derzeit über dem östlichen Nordatlantik (Biskaya). Gleichzeitig liegt über Skandinavien zeitweise ein kräftiges Tief. In der daraus resultierenden Luftströmung aus Richtung Nordwest weht nun seit Anfang Januar abwechselnd milde Nordseeluft und kältere Nordatlantikluft in weite Teile Nord- und Mitteleuropas, auch Skandinavien ist zeitweise nicht so kalt, dafür aber feucht. In Russland herrscht zwar Kälte, jedoch bisher ohne extreme Temperaturen erreichen zu können. Teile des Mittelmeerraumes, vor allem Italien und Spanien liegen im Einfluss des Hochs ohne markante Wettererscheinungen. In Mitteleuropa führt die Nordwestwindsituation mit typischen Staueffekten an den Gebirgen zu einer Schneefallgrenze zwischen 400 und 800 Meter. Daher fällt in den Alpen durch die Staueffekte viel Schnee in kurzer Zeit. Solange die Wetterlage so bleibt, wird sich an der beschriebenen Situation auch nichts ändern.

Entscheidende Änderungen können nur durch andere Wetterlagen auftreten. Ein Ende des Winters bereits Ende Januar und im Februar kann nur dadurch eintreten, wenn die entscheidenden Luftströmungen über einen längeren Zeitraum vom mittleren oder südlichen Nordatlantik bzw. dem Mittelmeerraum herkommen. Dies ist aber überhaupt nicht abzusehen. Wir hatten in der Tat in vielen Wintern (und Sommern) davor genau diese sogenannten Südwestwetterlagen, seit Anfang 2018 ist sie aber nicht mehr aufgetreten und wurde abgelöst durch hohen Luftdruck über Nordeuropa, eine Situation, die nun seit Dezember 2018 beendet ist. Dies führte im Februar und März letzten Jahres zu Kälteerscheinungen und ab April zu sehr warmen Verhältnissen, gleichzeitig blieb es aber sehr trocken, da Luft aus Ost- und Südosteuropa (unmittelbare Folge eines Hochs über Nordeuropa) auch trocken ist.

Richtig ist, dass Zirkulationsmuster träger als früher geworden sind, eine Folge des verminderten Antriebes für Tiefdruckgebiete über dem Atlantik. Das bedeutet, eine sich einmal einstellende Wetterlage bleibt über einen längeren Zeitraum als früher erhalten.

Für die gegenwärtige, oben beschriebene Witterung bedeutet das: Es gibt keine Anzeichen für eine schnelle Beendigung des gegenwärtigen Wetters. Noch bis Ende dieser Woche scheint sich zunächst nichts zu ändern, das schleichend immer weiter zurückweichende Hoch führt ab der kommenden Woche zu einer südwärts vorankommenden Luftmasse, die ihren Ursprung im europäischen Teil der Arktis hat und die nicht - wie man manchmal in Medien lesen kann - einfach signifikant wärmer geworden ist.

Das führt ab Ende Januar voraussichtlich für ein sinkendes Temperaturniveau sowohl in Nord- als auch in Mitteleuropa und für eine verstärkende Tiefdrucktätigkeit auch in Italien und Spanien, die dort schon in dieser Woche losgehen könnte. Rund um Nordeuropa dagegen - vorübergehend auch mal in Mitteleuropa - kann es ab Ende Januar durch höheren Luftdruck auch häufiger trockene Perioden als derzeit geben. Hinzu kommt, dass der Zeitraum ab Ende Januar bis Mitte Februar auch üblicherweise (mit Ausnahmen natürlich) der kälteste des Jahres ist, denn die Atmosphäre braucht etwa 4 bis 5 Wochen, um auf den niedrigen Sonnenstand vom Dezember zu reagieren. Umgedreht sind auch die Hundstage Ende Juli/Anfang August die heißesten Tage im Jahr, obwohl die Sonne schon im Juni am höchsten steht.

Nach allen statistischen Erhebungen sollte daher der Februar eher kalt und zeitweise winterlich, jedoch auch mit trockenen Perioden ausfallen. Und das sowohl in Nord- als auch in Mitteleuropa. Westeuropa bleibt noch abzuwarten. Selbst kurzzeitiger Schneefall in Italien und Spanien (Schwerpunkt natürlich in höheren Lagen) ist dabei nicht auszuschließen, genau wie das schon in Griechenland geschah.

Hinweis: Die Aussagen sind Wahrscheinlichkeitsaussagen und auch beim Wetter bestätigen immer wieder Ausnahmen die Regel.

Autor: Dipl.-Met. Jörg Riemann, Leiter Meteorologie, Wettermanufaktur GmbH